• Ulrike Ploner

Analoges und digitales Tempo

Seit dem Voranschreiten der digitalen Revolution leben wir in zwei verschiedenen Welten. Es ist nicht die eine Welt, die die andere abgelöst hat. Sondern es ist eine neue Welt dazugekommen, die mehr und mehr Raum einnimmt:

Hier die analoge Welt, dort die digitale Welt.

Die Natur hat ihr eigenes Tempo

Beobachte doch einmal bewusst die Natur:

Der Rhythmus der Natur ist (abgesehen von den Auswirkungen des Klimawandels) unverändert langsam: Im Frühjahr brauchen die Bäume und Sträucher Zeit, bis sich die ersten Blätter erkennen lassen. Knospen folgen ihrem eigenen Rhythmus, bis sich die Blüten schließlich öffnen. Schmetterlinge, Bienen und alle anderen Tiere bewegen sich nach wie vor in ihrem natürlichen Tempo.


High speed der digitalen Welt

Das Tempo der digitalen Welt steht in völligem Gegensatz dazu.

Auf facebook, Twitter & Co können im Sekundentakt Informationen aufgerufen werden. Binnen kürzester Zeit scrollen wir uns durch Neuigkeiten, erfassen, beurteilen und vernetzen deren Inhalt. Alle zwei Jahre verdoppelt sich das Wissen, das digital abrufbar ist. Informationsaustausch über WhatsApp & Co passiert ohne Zeitverzögerung. Enorme Datenmengen werden im Bruchteil einer Sekunde in der globalen virtuellen Welt verteilt.


Und wo steht da der Mensch...?

Der Mensch ist binnen kurzer Zeit in die digitale Welt eingetaucht. Arbeiten, die früher oft Stunden dauerten, sind mit entsprechender digitaler Unterstützung oft binnen Minuten erledigt. Informationsaustausch, der früher per Brief Tage dauerte, oder zumindest Zeit für ein Gespräch erforderte, wird nun oft im Telegrammstil in Sekunden erledigt.


Der Mensch, ein analoges Wesen

Dabei ist und bleibt der Mensch jedoch als biologisches Wesen an die analoge Zeit gebunden. Stoffwechsel, Emotionsverarbeitung, körperliche und geistige Regeneration, usw. bleiben - so sehr wir diesen Umstand auch ignorieren - vom digitalen Tempo unbeeindruckt.


Und so hetzen wir tagsüber im digitalen Tempo durch den Tag.

Lange ist die Liste der Dinge, die wir in unserem biologisch völlig untypischen Tempo abarbeiten. Abends fallen wir nach einem digitalen Tempo-Marathon erschöpft ins Bett und sind verzweifelt, weil unser Körper noch mit dem Verarbeiten der unzähligen Eindrücke und Tätigkeiten beschäftigt ist, anstatt in einen tiefen, erholsamen Schlaf zu fallen.


Wie wir damit umgehen können?

Sei Dir einfach dessen bewusst, dass es zwei verschiedene Welten gibt, in denen Du lebst. Dass das digitale Tempo nicht dem natürlichen Rhythmus Deines Körpers entspricht. Reduziere unnötige Zeiten in den sozialen Medien und gönne Deinem Körper und Deiner Psyche stattdessen immer wieder analoge Auszeiten. Pass Dich in Deinen Pausen an das Tempo der Natur an und gib Deinem Körper spätestens abends vor dem Schlafengehen die Möglichkeit, runterzukommen, durchzuatmen, in die natürliche Langsamkeit einzutauchen.






© Ulrike Ploner, 2019